Gasalarmstufe: Bedeutung und Auswirkung

Der Notfallplan Gas regelt das Vorgehen in Deutschland, wenn sich die Versorgungslage deutlich zu verschlechtern droht oder sogar verschlechtert.

Es gibt drei Stufen:

Ende März diesen Jahres hatte das Wirtschaftsministerium die erste Stufe ausgerufen. In dieser Frühwarnstufe wurde ein Krisenteam aus Behörden und Energieversorgern einberufen. Gasversorger sowie die Betreiber der Gasleitungen sind verpflichtet, regelmäßig die Lage für die Bundesregierung einzuschätzen, und ergreifen Maßnahmen, um die Gasversorgung aufrecht zu erhalten. Der Staat greift nicht ein.

Am 23. Juni 2022 hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz dann die zweite Stufe festgestellt, die Alarmstufe. Diese ist Voraussetzung für die Umsetzung der Pläne der Bundesregierung, verstärkt Kohlekraftwerke ans Netz zu holen, um den Gasbedarf und -verbrauch im Stromsektor zu reduzieren. Den Betrieb regelt das Ersatzkraftwerke-Bereithaltungsgesetz. Die Gasspeicher sollen aber auch auf anderen Wegen gefüllt werden: Alternative Anbieter werden gesucht, erneuerbare Energien ausgebaut. Und der Aufruf an alle: Wir müssen Gas einsparen, wo es geht. Aktuell ist die Versorgung weiterhin gewährleistet. Deshalb sind auch keine Maßnahmen nach §24 des Energiesicherheitsgesetz (EnSIG) beschlossen.

Erst in der dritten und letzten Stufe des Gas-Notfallplans, der Notfallstufe greift der Staat ein und verordnet nicht-marktbasierte Maßnahmen, um die Gasversorgung der geschützten Kunden sicherzustellen.

Es lässt sich derzeit noch nicht abschätzen, wie lange die Versorgung ohne größere Eingriffe nahezu im Normalzustand weiterlaufen kann.

Wir wissen, diese Situation stellt Sie vor Herausforderungen und Sie haben unterschiedliche Fragen. Fragen, die sich derzeit nur teilweise oder schwerlich einwandfrei beantworten lassen. Dennoch wollen wir Ihnen einige dieser Fragen so gut es geht beantworten. Für alle weiteren Anliegen wenden Sie sich bitte an Gas-Situation@ngn-mbh.de

FAQ Energiekrise

 

Welche Krisenstufen gibt es im Notfallplan Gas?

Bei einer Gasmangel-Lage greifen nach Notfallplan Gas drei Krisenstufen.  

1. Frühwarnstufe: Sie wird ausgerufen, wenn zum einen konkrete, ernst zu nehmende und zuverlässige Hinweise auf ein mögliches Ereignis vorliegen, das wahrscheinlich zu einer erheblichen Verschlechterung der Gasversorgungslage und das zum anderen wahrscheinlich zur Auslösung der Alarm- bzw. der Notfallstufe führt.  In dieser Stufe läuft alles wie zuvor - nur findet gezielt mehr Kommunikation zwischen allen Marktakteuren, Regierung, Bundesnetzagentur und Gasnetzbetreibern, insbesondere in einem Krisenteam statt, um die Entwicklung der Lage eng zu monitoren.  

2. Alarmstufe: Ob Störung oder außergewöhnlich hohe Gas-Nachfrage: Sobald sich die Versorgungslage erheblich verschlechtert, greift die Alarmstufe. Die energiewirtschaftlichen Akteure sind auch hier noch in der Lage, die Gasversorgung mit eigenen Maßnahmen sicherzustellen. Gashändler und -lieferanten nutzen hierzu Flexibilitätspotenziale auf der Beschaffungsseite und bemühen sich bei Lieferausfall zeitnah um Ersatzmengen. Netzbetreiber stimmen sich untereinander ab und optimieren Lastflüsse im Gasnetz. Maßnahmen von Gasversorgungsnetzbetreibern sind unabhängig von den Krisenstufen möglich. Aber auch in dieser Phase könnten z. B. auch Netzbetreiber Letztverbraucher auffordern, ihren Gasverbrauch zu reduzieren – vorausgesetzt es bestehen entsprechende Vereinbarungen zwischen Netzbetreiber und Letztverbrauchern. Bei Letzteren handelt es sich in der Regel nicht um private Haushalte, sondern um Industrie oder Großgewerbe. In der ersten und zweiten Stufe sind also die Unternehmen der Energiewirtschaft die zentralen Akteure und nutzen mit netz- und marktbezogenen Maßnahmen die Instrumente, die ihnen das Energiewirtschaftsgesetz an die Hand gibt. 

3. Notfallstufe: Ist nicht genug Gas zur Deckung der Gasnachfrage vorhanden, ist dies dauerhaft so und stellt die Bundesregierung diese Situation in einer Rechtsverordnung fest, ist die dritte Phase erreicht. In dieser sog. Notfallstufe tritt die Bundesnetzagentur als weiterer Akteur der Gasversorgung mit auf den Plan. In ihrer Rolle als Bundeslastverteiler ergreift sie hoheitliche Maßnahmen, um die Versorgung mit Gas zu sichern. Hierzu kann die Bundesnetzagentur über den Verbrauch entscheiden und Maßnahmen gegenüber großen Gaskunden, Gasversorgern und Gasnetzbetreibern verfügen. 

 

Was sind die Gründe für die Alarmstufe?

Grundsätzlich tritt die Alarmstufe ein, wenn laut Notfallplan Gas „eine Störung der Gasversorgung oder eine außergewöhnlich hohe Nachfrage nach Gas vorliegt, die zu einer erheblichen Verschlechterung der Gasversorgungslage führt, der Markt ist aber noch in der Lage, diese Störung oder Nachfrage zu bewältigen, ohne dass nicht marktbasierte Maßnahmen ergriffen werden müssen.“

Diese Meldung hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz am 23. Juni 2022 veröffentlicht. Derzeit werden vor allem die Verringerung der Gaslieferungen aus Russland durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 und die Drosselung des Gasdurchflusses vor zwei Wochen als Auslöser genannt. Auch die anstehende jährliche Wartung der Pipeline ab 11. Juli, die etwa zehn Tage dauern kann, verschlimmert die Situation zusätzlich.

 

Wird jetzt irgendwem das Gas abgedreht?

Nein, die Alarmstufe bringt noch keine staatlichen Eingriffe in den Gasmarkt. Erst mit der dritten, der Notfallstufe und als letzter Schritt der Eskalationsleiter würde die Bundesnetzagentur in einer Gasmangellage zuteilen, wer noch Gas bekommt. Private Haushalte sind besonders geschützt und sollen möglichst lange versorgt werden. Auch andere geschützte Bereiche, etwa Krankenhäuser oder Sicherheitskräfte, sind von dieser Bewirtschaftung ausgenommen. Ihr Gasbezug darf erst dann reduziert werden, wenn zuvor nicht-geschützte Kunden abgeschaltet wurden und dennoch weitere Maßnahmen erforderlich sind. Nicht-geschützte Kunden sind in erster Linie Industriekunden.

Aber: Das Abschalten von Kund*innen erfolgt nicht zwingend erst in der 3. Stufe und auch nicht immer durch die Bundesnetzagentur. Wird der Druck auf das Netz zu groß, kann der Fernnetzbetreiber den Verteilnetzbetreiber (wie die NGN) auffordern, für Entlastung zu sorgen. Dann müssen Kund*innen zunächst den Verbrauch reduzieren – wenn dies nicht geschieht oder nicht im ausreichenden Maß, kann der Netzbetreiber, auch ohne Anweisung der Bundesnetzagentur und abseits der Notfallplanstufen, die Abschaltung bei Kund*innen durchsetzen.

 

Erfolgt die Abschaltung nichtgeschützter Kunden willkürlich?

Sowohl Netzbetreiber als auch Bundesnetzagentur müssen vor dem Ergreifen von Maßnahmen jeweils Abwägungsprozesse vornehmen und die Geeignetheit, Sachgerechtigkeit und Verhältnismäßigkeit etwaiger Maßnahmen im Einzelfall prüfen. Eine detaillierte Abschaltreihenfolge gibt es nicht, auch nicht für Industrieunternehmen. Eine solche Liste wäre praktisch gar nicht nutzbar, da die Situation in den Netzen von vielen variablen Umständen im Netz abhängt und für diese Situationen zuvor nicht hinreichend abgeschätzt werden kann. 

Dennoch gilt es, die Auswirkungen auf die Bevölkerung möglichst gering zu halten. Hierfür müssen die rund 100 industriellen Bereiche nach ihrer Bedeutung bzw. Position in den jeweiligen Lieferketten strukturiert werden. Interdependenzen müssen dabei berücksichtigt werden. Beispielsweise stellt die Glasindustrie auch Ampullen für Medikamente her. Auch sind rund zwei Drittel der Produkte aus der Keramikindustrie für den technischen Einsatz vorgesehen. Deshalb ist vor allem die Kenntnis zur Vulnerabilität und zu den Auswirkungen von Maßnahmen von hoher Relevanz. Daten hierzu werden gerade von Netzbetreibern und Bundesnetzagentur aktualisiert. 

 

Wann und wie werde ich über eine Abschaltung informiert?

Wenn sich die Lage verschärft und die dritte Stufe, die Notfallstufe, des Notfallplans Gas erreicht ist, kann die Bundesnetzagentur als Bundeslastverteiler als letztes Mittel Abschaltungen anordnen, um insbesondere die Gasversorgung der geschützten Kunden sicherzustellen. 

Von Abschaltungen wären also zunächst vor allem Kunden mit einem sehr hohen Gasverbrauch - Industrie- und Großgewerbebetriebe - betroffen. Erfordert es die Lage, richtet die Bundesnetzagentur voraussichtlich die Anordnung zur Abschaltung unverzüglich an diese Letztverbraucher und informiert die Netzbetreiber, an dessen Gasnetz die Anlage des Kunden angeschlossen ist. Dabei werden in der Regel zunächst keine Abschaltungen durch den Gasnetzbetreiber selbst vorgenommen. Vielmehr werden die Letztverbraucher aufgefordert, ihren Verbrauch nach entsprechenden Vorgaben selbst zu reduzieren, da gezielte Drosselungen oder Abschaltungen eines bestimmten Kunden durch den Netzbetreiber oftmals technisch nicht möglich sind. 

 

Was können Sie als Kund*in in der jetzigen Situation tun?

Jede Kilowattstunde Gas, die wir im Sommer einsparen, trägt dazu bei, dass wir mehr Gas einspeichern und dadurch besser durch den Winter kommen können. Daher ist jeder Gasverbrauchende gehalten, so viel Energie wie möglich einzusparen. Dies gilt für die Bürgerinnen und Bürger ebenso wie für die Industrie als größtem Erdgasverbraucher. Es braucht jetzt eine gemeinsame Kraftanstrengung.

Dazu gehören kleine Dinge im Alltag wie das Senken der Raumtemperatur, Stoßlüften oder die Dauer des Duschens. Noch mehr und vor allem nachhaltig Energie sparen können Hausbesitzer durch eine energetische Gebäudesanierung, um die Energieeffizienz des Gebäudes zu erhöhen. Beim anstehenden Neukauf von Produkten sollte auf eine hohe Effizienzklasse gesetzt werden.

Insbesondere im kommenden Winter sollten Haushalte auch noch stärker auf ihr Heizverhalten achten. Als Faustformel gilt: Durch ein Grad weniger Raumtemperatur lässt sich der Gasverbrauch um sechs Prozent reduzieren.

Sparen ist die eine Sache - aber ein böses Erwachen bei der Jahresabrechnung lässt sich auch durch das Anpassen der Abschläge vermeiden. Die NGN empfiehlt  Kund*innen, dass sie die Abschläge schnellstmöglich anheben.

 

Wie wird der Winter?

Das ist aktuell schwerlich prognostizierbar. Für die kommende Heizperiode im Winter 2022/2023 soll ein Mix aus Maßnahmen die Versorgungssicherheit stützen: die über den Sommer gefüllten Gasspeicher, steigende Importe aus westlichen und nördlichen Nachbarländern, ein erstes verfügbares Terminal zur Anlandung von Flüssiggastankern und Einsparungen und Effizienzen in Industrie und privaten Haushalten.

Seien Sie aber versichert, dass wir die weitere Entwicklung sehr intensiv beobachten werden.

 

Welche Maßnahmen führt die NGN durch?

Das Gasnetz in Krefeld wird durch die Netzleitstelle rund um die Uhr überwacht. Die Kommunikation zu dem vorgelagerten Fernnetzbetreiber ist somit permanent gewährleistet. Auftretende Probleme können daher frühzeitig erkannt und notfalls Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.

Um Entscheidungen jederzeit treffen zu können, wurde bei der NGN ein Krisenstab gegründet, der die Erreichbarkeit von Entscheidungsträgern rund um die Uhr sicherstellt. So ist es möglich, die Situation ständig zu beobachten und zu bewerten. Außerdem findet regelmäßig ein Austausch zwischen Verantwortlichen der Krefelder Stadtverwaltung und der NGN statt, um die Situation für Krefeld umfassend zu erfassen und mögliche Schritte auf kommunaler Ebene abzustimmen und umzusetzen.